Dieser Text ist vom 01.02.2013 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Wer seine Waren oder Dienstleistungen verkaufen will, muss für seine Produkte werben. Erfolgreiche Firmen nehmen dafür viel Geld in die Hand. Die Medien und Gestaltungsmöglichkeiten der Werbung haben sich ständig verändert – und damit auch die Herausforderungen für die Fachleute, die Werbung entwerfen und umsetzen.
Im Handel werden seit 1949 Spezialisten für das Marketing ausgebildet: erst als Schaufenstergestalter, dann als Schauwerbegestalter und seit 2004 als Gestalter für visuelles Marketing. Leider hatte das damals neue Berufsbild keinen guten Start. Viele Firmen setzten bei ihrer Werbung auf überregionale Konzepte und haben die hauseigene Werbeabteilung minimiert oder gleich ganz abgeschafft. Das Ergebnis waren Innenstädte, die sich immer ähnlicher wurden.
VON DER MASSE ABHEBEN
Sinkende Ausbildungszahlen waren ebenfalls die Konsequenz – und damit der Verlust des Berufsschulstandortes in Trier. Der Unterricht musste nach Saarbrücken verlegt werden, was das Interesse potenzieller Auszubildender weiter schmälerte. Die Ausbildung der Marketingspezialisten drohte ganz aus der Region zu verschwinden.
Heute sieht es wieder ganz anders aus. Viele Einzelhandelsunternehmen müssen und wollen sich von der Masse abheben. Individuelle und innovative Gestaltungskonzepte sollen den Kunden vom Internet zurück in den Laden locken. Werbung zum Anfassen ist gefragt. Geeignete Fachkräfte für die Werbegestaltung stehen aber kaum noch zur Verfügung.
NOT MACHT ERFINDERISCH
Auf Initiative der Firma Buschmann Werbung wurde eine neue Diskussion über die Ausbildung zum „Gestalter für visuelles Marketing“ entfacht. Alte und neue Ausbildungsbetriebe, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, die Berufsbildende Schule für Gewerbe und Technik sowie die IHK stellten gemeinsam fest, dass ein erhöhter Ausbildungsbedarf in der Region besteht und der Unterricht vor Ort sinnvoll und möglich ist. Seit dem Sommer 2012 gibt es nun eine neue Fachklasse an der Berufbildenden Schule für Gewerbe und Technik in Trier. Die verbesserten Ausbildungsbedingungen haben bereits neue Firmen zur Ausbildung motiviert. Weitere Firmen können und sollen folgen. Ein halbes Jahr nach der Einrichtung der neuen Klasse zeigen sich Schüler, Lehrer und Ausbildungsbetriebe sehr zufrieden.
DER BERUF
Gestalter für visuelles Marketing werden in größeren Einzelhandelsgeschäften, bei Werbespezialisten und im Messebau ausgebildet.
Was sie leisten? Sie
• konzipieren und planen die Gestaltung,
• kümmern sich um die visuelle Verkaufsförderung und Werbung,
• präsentieren Waren, Produkte und Dienstleistungen,
• setzen Text, Grafik und Bildbearbeitung IT-gestützt um,
• gehen mit Werkstoffen, Werkzeugen und Geräten um,
• steuern Projekte des visuellen Marketings,
• kümmern sich um Beschaffung und Kalkulation sowie die kaufmännische Steuerung und Kontrolle.
INDIVIDUELLE LERNINHALTE
Dank flexibler Zeitrahmen in der Ausbildungsordnung können Schwerpunkte und Besonderheiten der jeweiligen Betriebe berücksichtigt werden. Für Ausbildungsinhalte, die aus deren Sicht wichtig sind, kann so mehr Zeit investiert werden als für Inhalte, die in einem Betrieb weniger wichtig sind.
Die Berufsschule vermittelt zudem Inhalte, die im betrieblichen Umfeld noch nicht angewendet werden. So befassen sich Schüler zum Beispiel mit Duftmarketing. Auszubildende können daher mit ihrem neuen Wissen auch das betriebliche Marketingkonzept erweitern.
Für Auszubildende ist dieser Beruf interessant, wenn sie kreativ sind und handwerkliche Fähigkeiten mitbringen. Keine Angst vor technischen Herausforderungen und ein gutes räumliches Wahrnehmungs- und Darstellungsvermögen sind ideale Voraussetzungen. In diesem Beruf bringen die meisten Bewerber ein Abitur mit, wobei dies keine Grundvoraussetzung ist.
VON DER SKIZZE BIS ZUM SCHAUFENSTER
Am Ende der Ausbildung steht die Abschlussprüfung. Bei der praktischen Aufgabe können die Prüflinge ihre ganze Kreativität unter Beweis stellen. Zu einem vorgegebenen Thema müssen sie eigene Gestaltungskonzepte entwickeln. Dabei fertigen sie Skizzen, Reinzeichnungen oder Modelle an. Anschließend müssen sie ihre Konzepte präsentieren und in einem Fachgespräch erläutern. Zum Abschluss werden sie realisiert. Dabei ist es dem Prüfling überlassen, ob er ein Schaufenster aufbaut, einen Messestand herstellt, eine Verkaufsfläche gestaltet oder ein Event umsetzt. Die Endqualifikation macht deutlich, wie vielseitig diese Ausbildung ist und welches Potenzial in den ausgebildeten Gestaltern für visuelles Marketing steckt.
Um das Potenzial im Marketing weiter nutzen zu können, sollte die Zahl der Auszubildenden in diesem Bereich weiter steigen. Denn nur so lässt sich der Schulstandort in Trier halten. Die Ausbildungsberatung der IHK unterstützt interessierte Betriebe.