„Die regionale Wirtschaft präsentiert sich stark verunsichert. Die aktuelle Geschäftslage wird zwar noch als zufriedenstellend beurteilt, die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf sind allerdings düster“, sagt Jennifer Schöpf-Holweck, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator bricht aufgrund des um sich greifenden Konjunkturpessimismus von 103 auf 87 Punkte regelrecht ein (Dienstleistungssektor 90, Handel 76, Industrie 88, Gastgewerbe 97). „Wie besorgniserregend die aktuelle Konjunktureinschätzung der regionalen Betriebe ist, zeigt sich daran, dass der Indikatorwert seit der Finanzkrise im Jahr 2009 nur zweimal niedriger lag als bei der aktuellen Umfrage. Das war 2020 bei Corona und während der Energiekrise 2022“, erläutert IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt. An der IHK-Konjunkturumfrage haben sich 178 Unternehmen mit mehr als 27.000 Beschäftigten beteiligt.
Ein kleines Trostpflaster ist laut IHK die Bewertung der aktuellen Geschäftslage durch die befragten Firmen. Seit Jahresbeginn hat sich diese von einem niedrigen Niveau aus sogar leicht verbessert: 26 Prozent der Befragten berichten von guten, 55 Prozent von befriedigenden und 19 Prozent von schlechten Geschäften. Daraus resultiert ein Lagesaldo aus Positiv- und Negativbewertungen in Höhe von +7 Prozentpunkten, nach +5 Prozentpunkten im Winter.
„Die mittelfristigen Geschäftserwartungen sind hingegen geradezu in den Keller gerauscht. Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs haben das zarte Pflänzchen Hoffnung von Jahresbeginn ausgerissen. Es dominieren zum jetzigen Zeitpunkt Skepsis und Unsicherheit, aber Vieles ist im Fluss“, sagt Matthias Schmitt. Nur 10 Prozent der regionalen Unternehmen erwarten in den kommenden 12 Monaten bessere, aber 40 Prozent schlechtere Geschäfte. Die Hälfte geht von einer Seitwärtsbewegung ihrer Betriebskonjunkturen aus.
Sowohl die betrieblichen Personal- als auch die Investitionsplanungen sind laut IHK mit einem Minuszeichen versehen, allerdings haben sich die Einschätzungen gegenüber der Vorumfrage nicht weiter eingetrübt. Der Anteil der Unternehmen, die in Kapazitätserweiterungen investieren wollen, ist sogar um zwei Prozentpunkte gestiegen.
Im Industriesektor fällt die Bewertung der aktuellen Geschäftslage mit einem Positivsaldo zwischen „Gut“- und „Schlecht“-Antworten in Höhe von 13 Prozentpunkten zufriedenstellend aus. Der Geschäftserwartungssaldo liegt hingegen bei -32 Prozentpunkten. Insbesondere die Auftragseingänge und die Exportaussichten werden von den Produktionsbetrieben kritisch gesehen, während sich die Kapazitätsauslastung auf leicht überdurchschnittlichem Niveau bewegt.
Wo sehen die Firmen die größten Gefahren für ihre Betriebskonjunkturen im weiteren Jahresverlauf? An erster Stelle liegt die Sorge über die hohen Energie- und Rohstoffpreise (72 Prozent; Vorumfrage 45 Prozent), gefolgt von den Arbeitskosten (57 Prozent) und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (55 Prozent). „Diese Werte zeigen, dass hausgemachte wirtschaftspolitische Probleme durch den Schock des Iran-Kriegs plötzlich verschärft wurden. Erst wenn der Krieg aufhört und in Deutschland wirkliche Strukturreformen angegangen werden, kann die Wirtschaft wieder ordentlich wachsen“, prognostiziert Schöpf-Holweck.
Standortpolitik
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