01.10.2008
Anwalt der Kaufleute
Dieser Text ist vom 01.10.2008 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Einzelhandelsverband Region Trier e. V.: Interessenvertretung und Rechtsberatung sind gefragt
Wohl dem, der etwas zu früh zum Termin ins „Haus des Handels“ kommt. Denn das Domizil des Einzelhandelsverbandes (EHV) Region Trier e. V. in der Trierer Kaiserstraße lohnt genaueres Betrachten und macht mächtig Eindruck. Fassade und Innenleben zeugen von handwerklicher Liebe zum Detail: Renaissancestil, üppige Verzierungen, ein großer vertäfelter Sitzungssaal mit bemalter Balkendecke und als besonderer Blickfang ein reich verzierter riesiger Stuhl, der an einen Thron erinnert und einzig dem Präsidenten gebührt.
„Ja, das Gebäude hat etwas von einem Zunfthaus des Nordens. Die Hanse von Trier“, sagt EHV-Geschäftsführer Alfred Thielen und lacht. Das Haus, in dem die erste Trierer Handelskammer residierte, ist heute im Eigentum des Einzelhandelsverbandes und eine Visitenkarte, die „Stärke“ signalisiert.
So liegt auch die Positionierung bei kommunalpolitischen Themen auf der Hand, der EHV Region Trier erhebt regelmäßig seine Stimme. Aktuelles Beispiel: die Eröffnung der Trier-Galerie mit 70 Geschäften in der Trierer Innenstadt. „Nun hätte man ja vermuten können, wir wären vehement gegen das Projekt. Aber nein: Wir scheuen keine Konkurrenz. Im Gegenteil: Wir sind im Wettbewerb mit anderen Oberzentren und dieses Einkaufszentrum im Herzen der City bietet die Chance, neue Kunden nach Trier zu bringen. Das bedeutet zusätzliche Kaufkraft,“ sagt EHV-Präsident Michael Müller, geschäftsführender Gesellschafter des Trierer Bekleidungshauses „Zur Blauen Hand“ - Joh. Nic. Müller KG. Aber gleichzeitig warnt er vor einem drohenden Parkplatz-Notstand. Der zu erwartende Kundenansturm mache den Bau eines neuen Parkhauses unabdingbar. Oder: „Wir arbeiten auch mit bei der Erstellung von Einzelhandelskonzepten. Wichtig ist zum Beispiel dafür zu sorgen, dass innenstadtrelevante Sortimente nicht großflächig sondern nur als Randsortiment auf der grünen Wiese zu finden sind, um ein Ausbluten der Innenstädte zu verhindern. Ziel ist, den Innenstädten Schutz zu gewähren, ihnen als kulturellem Gut Wertschätzung entgegenzubringen. Ein Erbe, das gepflegt werden muss.“ Um das zu kommunizieren, suche man ständig den direkten Draht zu den Kommunalpolitikern.
Von der Einstellung bis zur Kündigung reicht die Palette des Expertenrats, der weitergegeben wird. Formulare, Merkblätter, Arbeitsverträge, Personalfragebögen, Tarifverträge, Formulierungshilfe fürs Zeugnis – die Mitglieder werden im „Haus des Handels“ fündig. Die juristische Tätigkeit umfasst neben der Beratung in Fragen des Wettbewerbsrechts, des gewerblichen Miet- und Kaufrechts und der Abmahnung unzulässiger Werbeaktionen von Mitbewerbern zunehmend ein professionelles Inkasso, das sich auch die Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück Region im Rahmen einer engen Kooperation für deren Mitglieder zu Nutze macht.
Ganz wichtig ist Michael Müller und Alfred Thielen auch, die „Einzelhändler von morgen“ zu fördern. „Es ist ein elementares Anliegen der Einzelhandelsbranche, geeigneten Nachwuchs zu finden“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb gehe es dem EHV darum, das Image des Einzelhandels zu fördern. Den Absolventen der Einzelhandelsberufe werden daher seit fünf Jahren im Zusammenwirken mit den Berufsschulen und der IHK ihre Zeugnisse und Berufsurkunden in einer schönen Abschlussfeier überreicht. Sie sollen öffentlich zeigen dürfen: Wir können etwas.
„Ja, das Gebäude hat etwas von einem Zunfthaus des Nordens. Die Hanse von Trier“, sagt EHV-Geschäftsführer Alfred Thielen und lacht. Das Haus, in dem die erste Trierer Handelskammer residierte, ist heute im Eigentum des Einzelhandelsverbandes und eine Visitenkarte, die „Stärke“ signalisiert.
AUCH POLITISCH AM PULS DER ZEIT
Doch das gediegene Ambiente sollte nicht über die moderne Ausrichtung des Einzelhandelsverbandes Region Trier hinwegtäuschen. Für den Arbeitgeber-, Berufs- und Wirtschaftsverband der Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und der Stadt Trier ist es wichtig, immer am Puls der Zeit zu sein und auch politisch ein Wörtchen mitzureden. Dieses Einmischen betrifft einmal die „große“ Politik. Eine Bühne, auf der der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) zu Hause ist, aber laut Alfred Thielen „natürlich nach Rücksprache auch mit uns“. Die Themen dabei sind so vielfältig wie das Handelsleben bunt: Da geht es etwa um Planungen zur Mitarbeiterbeteiligung, die aus Sicht des Deutschen Einzelhandels die „betriebliche Altersvorsorge schwächt“. Da geht es um Kritik an einer höheren Lkw-Maut, die „der Handel an Kunden weitergeben muss“ oder aber um „einheitliche Rechte für Kunden des Handels bei Käufen in sämtlichen EU-Mitgliedstaaten“. Und wenn es wie Anfang September im „Spiegel“ heißt: „Sommerloch im Einzelhandel“, dann ist die Region Trier bestimmt nicht verschont geblieben. Auch hier sorgen sich die Händler um ihre Einkünfte, verzeichnen Umsatz-Einbrüche, weil „die Deutschen immer weniger einkaufen“, und wenden sich mit ihren Problemen an ihre Interessenvertretung.So liegt auch die Positionierung bei kommunalpolitischen Themen auf der Hand, der EHV Region Trier erhebt regelmäßig seine Stimme. Aktuelles Beispiel: die Eröffnung der Trier-Galerie mit 70 Geschäften in der Trierer Innenstadt. „Nun hätte man ja vermuten können, wir wären vehement gegen das Projekt. Aber nein: Wir scheuen keine Konkurrenz. Im Gegenteil: Wir sind im Wettbewerb mit anderen Oberzentren und dieses Einkaufszentrum im Herzen der City bietet die Chance, neue Kunden nach Trier zu bringen. Das bedeutet zusätzliche Kaufkraft,“ sagt EHV-Präsident Michael Müller, geschäftsführender Gesellschafter des Trierer Bekleidungshauses „Zur Blauen Hand“ - Joh. Nic. Müller KG. Aber gleichzeitig warnt er vor einem drohenden Parkplatz-Notstand. Der zu erwartende Kundenansturm mache den Bau eines neuen Parkhauses unabdingbar. Oder: „Wir arbeiten auch mit bei der Erstellung von Einzelhandelskonzepten. Wichtig ist zum Beispiel dafür zu sorgen, dass innenstadtrelevante Sortimente nicht großflächig sondern nur als Randsortiment auf der grünen Wiese zu finden sind, um ein Ausbluten der Innenstädte zu verhindern. Ziel ist, den Innenstädten Schutz zu gewähren, ihnen als kulturellem Gut Wertschätzung entgegenzubringen. Ein Erbe, das gepflegt werden muss.“ Um das zu kommunizieren, suche man ständig den direkten Draht zu den Kommunalpolitikern.
DIENSTLEISTUNG UMFASST RAT UND TAT
Doch der EHV hilft den Einzelhändlern nicht nur mit Wortgewalt. Wer sich für die freiwillige Mitgliedschaft entscheidet, investiert in eine umfassende Dienstleistung und leistet sich laut Michael Müller „aus kaufmännischer Sicht ein sehr preiswertes Paket“. Zum Beispiel: die kostenfreie Vertretung vor dem Arbeits- und Sozialgericht. Die übernimmt Alfred Thielen. Der EHV-Geschäftsführer ist von Haus aus Fachanwalt für Arbeitsrecht und sagt: „Der EHV ist rechtlich breit aufgestellt.“ Ein gefragtes Fachwissen, dessen Anwendung auf den Einzelfall die Hälfte seiner Arbeit bestimmt.Von der Einstellung bis zur Kündigung reicht die Palette des Expertenrats, der weitergegeben wird. Formulare, Merkblätter, Arbeitsverträge, Personalfragebögen, Tarifverträge, Formulierungshilfe fürs Zeugnis – die Mitglieder werden im „Haus des Handels“ fündig. Die juristische Tätigkeit umfasst neben der Beratung in Fragen des Wettbewerbsrechts, des gewerblichen Miet- und Kaufrechts und der Abmahnung unzulässiger Werbeaktionen von Mitbewerbern zunehmend ein professionelles Inkasso, das sich auch die Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück Region im Rahmen einer engen Kooperation für deren Mitglieder zu Nutze macht.
DAS WIR-GEFÜHL DER KAUFLEUTE STÄRKEN
Der EHV ist seinen Mitgliedern zudem ein „geselliger“ Partner: Man trifft sich beim Einzelhandelsstammtisch oder beim Sommerfest „Politik trifft Handel“. Ende August hatte der Einzelhandelsverband Region Trier gemeinsam mit der City-Initiative Trier dazu eingeladen. Dieser Schulterschluss ist nicht neu und kommt auch nicht von ungefähr. Nicht nur, dass die Geschäftsstelle der City-Initiative auch im „Haus des Handels“ beherbergt ist. „Wir haben die Initiative damals ins Leben gerufen“, sagt Michael Müller. Und Alfred Thielen ergänzt: „Das ist unser Kind.“ Damals noch als Werbegemeinschaft bezeichnet, sei die Initiative „aus der Kaufmannschaft heraus“ entstanden, „um zu helfen, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen“.Ganz wichtig ist Michael Müller und Alfred Thielen auch, die „Einzelhändler von morgen“ zu fördern. „Es ist ein elementares Anliegen der Einzelhandelsbranche, geeigneten Nachwuchs zu finden“, erklärt der Geschäftsführer. Deshalb gehe es dem EHV darum, das Image des Einzelhandels zu fördern. Den Absolventen der Einzelhandelsberufe werden daher seit fünf Jahren im Zusammenwirken mit den Berufsschulen und der IHK ihre Zeugnisse und Berufsurkunden in einer schönen Abschlussfeier überreicht. Sie sollen öffentlich zeigen dürfen: Wir können etwas.
TANTE EMMA LEBT NICHT MEHR
Und das ist auch immens wichtig, schließlich müsse der Einzelhandel großen strukturellen Veränderungen begegnen: „Tante Emma gibt es nicht mehr. Wir verzeichnen viele Geschäftsaufgaben. Die Rahmenbedingungen für den inhabergeführten Facheinzelhandel haben sich im Laufe der letzten zehn Jahre dramatisch verschlechtert. Die Binnenkonjunktur lahmt. Hohe Energiepreise, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und ausufernde Bürokratie tun ihr Übriges. Obwohl ich an sich ein optimistischer Mensch bin, beunruhigt mich diese Entwicklung sehr,“ konstatiert Alfred Thielen. Und Michael Müller ergänzt: „Die Filialisierung hat zugenommen. Die Entwicklung geht in Richtung Konzentration. Es gibt kaum Neugründungen.“ Auf der Habenseite: Das Oberzentrum ist eine attraktive Einkaufsstadt, die Mittelzentren sind ebenfalls beliebt. Wichtig ist auch, dass die luxemburgischen Nachbarn viel an Kaufkraft nach Trier und auch in die Region bringen.
KLEINER VERBAND GANZ GROSS
Konzentrationsbestrebungen - da bleibt auch eine Verbandsstruktur nicht von verschont. „Wir sind als Flächenverband eigentlich zu klein. Der Bundesverband prüft die Möglichkeit von Fusionen und machte das zunächst an der Größe der einzelnen Verbände fest“, erzählt Alfred Thielen. Doch: „Toi, toi, toi, wir können überleben.“ Denn der EHV Region Trier ist vielleicht klein, aber oho. So sagt nicht nur Präsident Müller, dass er „überzeugt ist von der Leistung dieses Verbandes“. Eine Auditierung, bei der alle 65 Verbände geprüft wurden, ergab: „Auch wir als kleiner Verband haben bestanden.“ Der Leistungskatalog überzeugte. Und 2004 gab es bei einer Befragung der Mitglieder Platz 1. Der EHV punktete mit Servicequalität, Leistungsfähigkeit und Verbundenheit der Mitglieder mit dem Verband. Alfred Thielen: „Egal, was ist, man ruft einfach an, auch bei privaten Problemen. Gerade diese Nähe zu unseren Mitgliedern ist das Schöne an meinem Beruf.“
Ingrid Fusenig