Der Konflikt im Nahen Osten hat die fragile Erholung der Weltwirtschaft abrupt ausgebremst. Nach einem kurzen Hoffnungsschimmer im Herbst 2025 rutschen die globalen Konjunkturerwartungen deutscher Unternehmen im Ausland wieder deutlich ab. Das zeigt der aktuelle AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), basierend auf Rückmeldungen von mehr als 4.500 deutschen Unternehmen, die in den Netzwerken der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) weltweit befragt wurden.
Steigende Energiepreise, gestörte Lieferketten und eine schwankende Nachfrage setzen die internationalen Geschäfte zunehmend unter Druck. „Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung hat sich zerschlagen. Die Weltwirtschaft steckt im Krisenmodus, das bekommen die Unternehmen unmittelbar zu spüren“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Der Krieg im Nahen Osten führt uns einmal mehr vor Augen, wie anfällig global verflochtene Wertschöpfungsketten sind, insbesondere dann, wenn zentrale Handelsrouten unter geopolitischen Druck geraten. Die Straße von Hormus ist dabei mehr als nur ein Nadelöhr: Sie steht exemplarisch für die Verwundbarkeit der Weltmärkte – damit auch für die aktuellen Probleme des deutschen Wirtschaftsmodells.“
Lage leicht verbessert, Aussichten eingetrübt
In dieser Situation rechnen nur noch 21 Prozent der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate mit einer besseren konjunkturellen Entwicklung an ihren internationalen Standorten, während 32 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen.
Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten sind noch nicht überall angekommen. Im Augenblick bewerten 39 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 48 Prozent als befriedigend, 13 Prozent als schlecht. Damit hat sich die Lagebewertung gegenüber der Vorumfrage im Herbst im Durchschnitt nicht verschlechtert, sie fällt sogar etwas besser aus.
Wer ist besonders betroffen?
Bei den Erwartungen der Betriebe gibt es regional erhebliche Unterschiede: In China, den USA oder den Mercosur-Staaten blicken die Unternehmen aktuell vergleichsweise optimistisch auf die nächsten zwölf Monate, dagegen sind die Perspektiven in Asien und dem Nahen Osten deutlich eingetrübt.
Europa und Asien unter Druck
Eurozone: Nur 12 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere Konjunktur, 34 Prozent rechnen mit Verschlechterung. Italien ist besonders betroffen – das Land bezieht 35 Prozent seiner Erdgasimporte aus der Golfregion.
Asien-Pazifik (ohne China): 35 Prozent der Unternehmen sind pessimistisch. Länder wie Sri Lanka, Vietnam, Südkorea und Indien leiden unter hoher Energieimportabhängigkeit. In Vietnam sehen 80 Prozent der Unternehmen Lieferkettenstörungen als Geschäftsrisiko.
USA: Verhaltener Optimismus
Obwohl die USA Nettoölexporteur sind, bleiben die Konjunkturerwartungen negativ (minus 6 Saldopunkte). Handelspolitische Unsicherheiten und die Rolle als Konfliktpartei im Nahen Osten belasten. Dennoch: Deutsche Unternehmen bauen ihre US-Standorte aus, um von "local for local"-Produktion zu profitieren.
China: Resilient, aber exportabhängig
China zeigt sich vergleichsweise stabil. Diversifizierte Ölimporte, strategische Reserven und deflationäre Tendenzen dämpfen kurzfristige Preisschocks. Dennoch: Die hohe Exportabhängigkeit bleibt ein Risiko. Die Konjunkturerwartungen liegen immerhin bei 2 Saldopunkten (Herbst 2025: minus 25 Punkte).
Süd- und Mittelamerika: Lichtblick dank Mercosur-Abkommen
10 Saldopunkte bei den Konjunkturerwartungen – die Region profitiert von der geografischen Distanz zur Golfregion, eigenen Ölvorkommen und dem Mercosur-Abkommen. 33 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung, nur 23 Prozent rechnen mit Verschlechterung.
Golfregion: Geschäftslage bricht ein
In den Vereinigten Arabischen Emiraten fällt die Lagebewertung von 60 auf 8 Saldopunkte. Investitionsabsichten: minus 16 Punkte (Herbst 2025: plus 30 Punkte). Mitarbeiterentsendungen werden durch Sicherheitsrisiken erschwert.
Top-Risiko Energiepreise
Infolge des Nahost-Konflikts gewinnt das Geschäftsrisiko Energiepreise drastisch an Bedeutung: 46 Prozent der Unternehmen blicken mit Sorge auf die Preisentwicklung bei Öl, Gas & Co. – mehr als doppelt so viele wie in der Vorumfrage. Auf Platz zwei und drei der Geschäftsrisiken rangieren die Nachfrage (44 Prozent) und die Wirtschaftspolitik (42 Prozent) mit jeweils etwas weniger Nennungen als im Herbst 2025. Deutlich besorgter als zuvor sind die Unternehmen dagegen mit Blick auf Lieferkettenstörungen (40 Prozent) und steigende Rohstoffpreise (37 Prozent).
Wie die Betriebe gegensteuern
Die Unternehmen reagieren auf die zunehmenden geopolitischen Herausforderungen mit Maßnahmen zur Stärkung ihrer Resilienz. Zwei Drittel bauen ihr Lieferantennetzwerk aus oder planen dies. 76 Prozent setzen auf die Erschließung neuer Auslandsstandorte, 46 Prozent berichten von erhöhten Investitionen vor Ort.
Download: Den kompletten Report sowie den statistischen Anhang können Sie hier herunterladen: https://www.dihk.de/de/newsroom/ahk-world-business-outlook-fruehjahr-2026-weltwirtschaft-im-krisenmodus-176808
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