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  • 02.06.2020

    Zwischen Hoffen und Bangen

    Corona-Krise trifft Branchen der regionalen Wirtschaft mit unterschiedlicher Wucht

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    Foto: Cornelia Fetzer
    Presse / Öffentlichkeitsarbeit

    Cornelia Fetzer

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Dieser Text ist vom 02.06.2020 und könnte inhaltlich veraltet sein.
Nahezu alle Unternehmen in der Region Trier sind in ihrem wirtschaftlichen Geschehen durch die COVID-19-Pandemie betroffen. Doch die Dramatik fällt sehr unterschiedlich aus: Während manche mit Sicherheitskonzepten größere Auswirkungen verhindern können, müssen andere mit langen Phasen des Totalausfalls zurechtkommen. Einige Stimmen zur aktuellen Lage sollen hier zu Wort kommen.

Hermann Köppen Ing.-Bau GmbH & Co. KG
Bei Bauvorhaben gab es bisher keine wesentlichen Einschränkungen. „Es wird nach wie vor gebaut. Bislang konnten wir alle Aufträge weiter durchführen“, berichtet Stefanie Weber von der Hermann Köppen Ing.-Bau GmbH & Co. KG in Bitburg. Weder Schließungen von Baustellen noch Stornierungen von Projekten habe es seit Einführung der Pandemie-Maßnahmen gegeben.
Einzige Herausforderung sind die verschärften Hygienevorschriften. Auch auf Baustellen gilt: Wo Arbeiter nahe beieinander werkeln, muss Mundschutz getragen werden. Masken und Desinfektionsmittel hat die Firma zur Verfügung gestellt. Die sanitären Einrichtungen auf den Baustellen wurden den erhöhten Anforderungen angepasst. Auch die zusätzlichen Kosten für die Anfahrt mit dem Privat-PKW wurden übernommen, da in den Firmenwagen nur noch maximal zwei Personen gleichzeitig sitzen dürfen. Insgesamt sei alles gut gelaufen, bilanziert Weber.

Blumen Greif
Dass die laufende Beet- und Gartensaison von gutem Wetter begleitet wird, hat sich für Dorothee Greif als Glücksfall erwiesen. So ist das Ladengeschäft bei Blumen Greif in Trier-Ehrang wieder recht gut angelaufen, nachdem die Schließungen für den Einzelhandel aufgehoben wurden. Insbesondere um den Muttertag herum, sei das Kundeninteresse groß gewesen.
„Auf der Kehrseite sind aber auch viele größere Aufträge weggebrochen. Hochzeiten, Kommunion-, und Konfirmationsfeiern – das findet dieses Jahr alles nicht statt“, bedauert Greif. Auch weitere Teile ihrer Geschäftstätigkeit, wie der Blumenschmuck für Kirchen oder Beerdigungen, sind nach wie vor durch die Pandemie-Beschränkungen betroffen. Immerhin habe sich die Lage gegenüber den ersten Wochen der Krise spürbar verbessert. Da war der Umsatz bis auf wenige telefonische Abholbestellungen fast vollständig ausgefallen.

Kreissparkasse Bitburg-Prüm
Sofort mit Beginn der Corona-Krise hat die Kreissparkasse (KSK) Bitburg-Prüm eine Vielzahl an Präventivmaßnahmen umgesetzt, um die Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden zu gewährleisten und personelle Ausfälle zu vermeiden. „Der ordnungsgemäße Geschäftsbetrieb eines Kreditinstituts muss immer gewährleistet sein“, sagt Ingolf Bermes, Vorsitzender des KSK-Vorstands. Entsprechend wurden Teams in verschiedenen Filialen räumlich getrennt und verstärkt Videokonferenzen eingesetzt und die Möglichkeiten des Homeoffice in vielen Bereichen erweitert. Für Kundenkontakte helfen Mund-Nasen-Schutzmasken und Plexiglasscheiben.
Seit Mitte März führt die Sparkasse hunderte von Beratungsgesprächen mir Firmen- und Privatkunden, berichtet Bermes. Die darin aufgezeigten Liquiditätsengpässe zeigen auf, wie groß die Sorgen und Nöte sind. Bei den staatlichen Förderkrediten für Unternehmen habe anfangs einige Unsicherheit geherrscht. „Aber hier wurde aus meiner Sicht mit Hochdruck gearbeitet und jetzt stehen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau gute Pakete mit zehn Jahren Laufzeit zur Verfügung“, meint der Sparkassen-Vorstand. Zusätzlich hat die KSK ein Zahlungsmoratorium beschlossen und stundet den in der Corona-Pandemie betroffenen Privat- und Gewerbekunden die fälligen Kredittilgungen für bis zu neun Monate. Damit geht sie zeitlich deutlich über die bestehende gesetzliche Regelung hinaus.

Klaus Meier Busreisen
Eine letzte Fahrt am 11. März 2020, seitdem fiel bei Klaus Meier Busreisen die gesamte Geschäftstätigkeit weg. „Keine Vereinsausflüge, keine Urlaubsreisen und auch Fahrten von Schulklassen wurden gestrichen“, zählt Gertrud Heckmann auf, die gemeinsam mit Lebensgefährte Klaus Meier das Busunternehmen betreibt.
Die Nachfrage bei den Kunden sei vorhanden, das zeigten regelmäßige telefonische Anfragen. Aber erst mit der Wiedereröffnung der Hotels gibt es überhaupt eine Chance, die Busfahrten wieder aufzunehmen. Doch aufgrund der vielen unterschiedlichen Regeln in den Bundesländern seien die Reisenden unsicher, was genau sie am Zielort erwartet. Außerdem fehlten klare Ansagen, welche Corona-Regeln künftig in den Bussen gelten sollen. „Das ist entscheidend. Unsere Preise sind beispielsweise auf 50 Personen pro Bus kalkuliert. Wenn wir dauerhaft nur noch 20 befördern dürfen, stimmt die Kalkulation nicht mehr“, gibt Heckmann zu Bedenken.

Save IT first GmbH
Von der technischen Seite her gab es bei „save IT first“ in Trier keine Schwierigkeiten, weitgehend auf Home-Office umzustellen. Schließlich sind IT-Lösungen die Kernkompetenz des Unternehmens. Dennoch wirkt sich Corona auf das Geschäft aus. „Die Akquise neuer Kunden ist spürbar eingeschränkt, da unsere Mitarbeiter über Monate hinweg nicht mehr rausfahren und die teilweise komplexen Produkte im persönlichen Gespräch erklären können“, berichtet Geschäftsführer Marco Becker. Glücklicherweise bestünden im Service-Bereich viele Verträge, die ohne erhöhten Klärungsbedarf auskommen, beispielsweise für Anti-Viren-Software und Firewalls.
Die Corona-Krise habe zwar einen Schub an Home-Office-Arbeitsplätzen gebracht, der sich auch bei „save IT first“ in einer kurzzeitig erhöhten Nachfrage nach Laptops und passenden Software-Lizenzen bemerkbar gemacht hat. „Aber hier lag der Fokus auf schnellen Lösungen statt auf langfristigen Entscheidungen und größeren Investitionen in IT“, hat Becker beobachtet. Somit sieht er noch keine Grundlage für eine zielsichere Prognose in Bezug auf den Rest des Jahres.

Margarethenhof Weingut Weber
In der Weinvermarktung ist der „Margarethenhof – Weingut Weber“ in Ayl breit aufgestellt. Trotzdem haben die Pandemie-Beschränkungen fast alle Geschäftszweige gleichermaßen negativ beeinflusst, sagt Unternehmenschef Jürgen Weber. Gaststätten fielen als Kunden aus, weil sie lange geschlossen waren. Der ausbleibende Tourismus tat in diesem Bereich ein Übriges. Auch im Großhandel läuft es eher schleppend. „Die großen Frühjahrsmessen sind ausgefallen, auf denen wir unsere neuen Weine präsentieren und daraus Verträge generieren“, begründet Weber.
Ebenfalls spürbar ist das Thema Bundesliga. Weingut Weber beliefert normalerweise den Logen-Bereich der Münchner Allianz-Arena und betreibt dort eine Weinbar. Gerade im Frühling wird der Margarethenhof auch gerne für Feiern gebucht. Wann das wieder möglich ist, sei derzeit kaum absehbar. „Großveranstaltungen sind bis 31. August untersagt. Aber es gibt bislang keine Regeln, die Bedingungen für kleine Feiern definieren. Also fallen diese automatisch mit aus.“ Ein Lichtblick für das Weingut war in den vergangenen Wochen die gute Nachfrage privater Kunden beim Direktversand. Geholfen habe dabei Öffentlichkeitsarbeit, wie die Online-Weinproben, die Webers Sohn Nicolas weiterhin zweimal im Monat anbietet.

Schweicher Reisebüro
Urlaubsreisen sind während der Pandemie fast allerorten tabu. Entsprechend heftig spürbar ist die Krise in der Reisevermittlungsbranche. „Aktuell wickeln wir nur Stornierungen ab“. sagt Niko Bamberg vom Schweicher Reisebüro. Doppelt bitter: Nicht nur werden aufgrund der Unsicherheiten keine neuen Reisen gebucht, selbst die eigentlich schon im Vorjahr verkauften fallen aus und damit auch die Provisionen für die Vermittler. Die Mitarbeiter sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit und das Reisebüro hat seine Öffnungszeiten geändert und ist nur noch vier Stunden am Tag erreichbar.
Nichtsdestotrotz blickt Bamberg optimistisch in die Zukunft: „Die Deutschen sind Reiseweltmeister. Sie werden wieder buchen.“ Aus Gesprächen mit Kunden hat er herausgehört, dass hauptsächlich die Sorge vor einer möglichen Quarantäne im Urlaubsland die Reiselaune bremst. Deshalb hofft er, dass hier bald mehr Klarheit und Sicherheit herrscht.

Kautz Starkstrom-Anlagen GmbH
Elektrische Anlagen sind auch in der Corona-Krise gefragt – mitunter sogar verstärkt. „Lebensmittelindustrie, Krankenhäuser, Chemie- und Pharmakonzerne investieren gerade stark in sichere Technik“, freut sich Axel Horstmann, Geschäftsführer der Kautz Starkstrom-Anlagen. So hat sein Unternehmen in Trier weiterhin eine sehr gute Auftragslage.
Gefahr würde nur bei einer direkten Ausbreitung des Virus im Betrieb drohen. Deshalb wurde von Anfang an auf Sicherheit gesetzt. Zwei Drittel der Angestellten arbeiten nun im Home-Office, Mitarbeiter aus Verwaltung und Fertigung sind räumlich strikt getrennt und es ist sichergestellt, dass nicht mehr als zwei Personen die gleiche Toilette benutzen. Sehr geholfen habe bei der Neuorganisation der Arbeit der Einsatz von Videokonferenzen und kollaborativer Software. Ausdrücklich lobt Horstmann auch die Zusammenarbeit mit anderen Mittelständlern: „Der kollegiale Umgang beispielwiese mit den Zulieferern hat sich bewährt und führt zu reibungslosen Abläufen in der Krise.“

Michels Wohlfühlhotel GmbH
Januar und Februar waren aus Sicht von Hotelier Hubert Drayer fantastische Monate für das Michels Wellness- und Wohlfühlhotel in Schalkenmehren. „Und dann sind wir gefühlt mit 200 Stundenkilometern auf eine Wand gefahren“, beschreibt er den Corona-Lockdown im März. Nach einer 14-tätgigen Urlaubsphase, die für Umbauarbeiten im Hotel genutzt wurde, und dem Abbau aller Überstunden, blieb nur noch Kurzarbeit für die Mitarbeiter. Man habe aber freiwillig das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent aufgestockt.
Der zweiten Jahreshälfte blickt Drayer zurzeit noch mit Sorge entgegen. Zwar dürften zunächst das Restaurant und dann auch wieder der Übernachtungsbetrieb öffnen. Aber es sei noch keineswegs sicher, ob sie mit den bestehenden Pandemie-Einschränkungen auch wirtschaftlich betrieben werden können. „Im Restaurant haben wir nur die Hälfte der Plätze zur Verfügung und im Hotel dürfen wir kein Frühstücksbuffet anbieten und den Wellnessbereich nicht nutzen“, veranschaulicht er. Drayer fürchtet, dass Gäste auf Länder wie Österreich ausweichen, in denen keine Einschränkungen bei Wellness mehr gelten.

Schaustellerfamilie Weis
Vieles ist bereits abgesagt: Kirmes, Festivals, Oktoberfeste. „Hoffentlich bleiben uns wenigstens die Weihnachtsmärkte“, meint Manuela Weis. Die Weis sind eine Trierer Schaustellerfamilie und normalerweise das Jahr über mit Imbisswagen und Crêpes-Stand in der Region unterwegs. Jetzt sind alle Einnahmen weggebrochen. Auch das zweite Standbein, ein mobiles Kasperltheater, steht still. Auftritte fänden hauptsächlich in Kitas und Senioreneinrichtungen statt, die aber zurzeit ebenfalls tabu sind.
Das Ehepaar Weis und seine sechs Kinder mussten notgedrungen staatliche Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Jetzt hofft man darauf, dass von der Politik bald wieder Perspektiven aufgezeigt werden. „Wenn Freizeitparks und Museen wieder öffnen, müssten mit etwas Kreativität auch eine Kirmes mit Sicherheitsabständen möglich sein“, findet Manuela Weis. Und auch beim Kasperltheater wäre es möglich, auf geeignete Säle auszuweichen.

50NRTH GmbH
Wenn Urlaubsreisen, Sportveranstaltungen und Konzerte als Freizeitmöglichkeiten wegfallen, ist für viele offenbar der eigene Garten ein noch interessanteres Betätigungsfeld als gewöhnlich. Gartenmöbel, Pools, Pavillons und Gerätehäuschen jedenfalls verkaufen sich gerade immens gut, bilanziert man beim Wittlicher Versandhändler 50NRTH. „Wir haben in den vergangenen zwei Monaten fast einen ganzen Jahresumsatz gemacht“, sagt Geschäftsführer Christian Maas.
50NRTH profitiert davon, dass sie seit Gründung exklusiv auf Online-Handel gesetzt haben. So bringt Corona keine Beschränkungen mit sich. Anfang dieses Jahres allerdings drohte der Virus durchaus, das Geschäft negativ zu beeinflussen. „Wir arbeiten mit Zulieferern auf der ganzen Welt zusammen. Die Quarantänen in China und Südostasien machten im Januar und Februar die Lage kompliziert.“ Inzwischen jedoch sind die Umstände sehr günstig für das Unternehmen. Mit Blick auf die Auswirkungen der allgemeinen Wirtschaftskrise rechnet Maas aber für zweite Jahreshälfte 2020 wieder mit einem rückläufigen Kaufverhalten.

Modehaus Marx GmbH & Co. KG
Rasch wieder mehr Besucher in der Trierer Innenstadt wünscht sich eindringlich Karin Kaltenkirchen. Die Geschäftsführerin des Trierer Traditionsunternehmens Modehaus Marx beurteilt die aktuelle Krise als existenzbedrohend für viele Einzelhändler. So seien in ihrem Haus mit April und Mai die beiden umsatzstärksten Monate des Jahres komplett ausgefallen. Die Ware müsse jedoch schon Monate im Voraus bestellt werden. „Erst kam es durch Corona bei der Lieferung zu Verzögerungen. Und als die Ware dann endlich eintraf, mussten wir sie zwar bezahlen, konnten aber selbst nichts verkaufen“, schildert Kaltenkirchen das Problem.
Zwar durfte der Einzelhandel nach langen Wochen wieder öffnen, doch die Kunden sind offenbar noch zurückhaltend. „Zum Glück sind immerhin alle, die in unseren Laden kommen, einkaufsfreudig. Aber insgesamt sind noch viel zu wenige Kunden in der Stadt unterwegs.“ Extrem negativ habe sich hier auch die lange Grenzschließung zu Luxemburg ausgewirkt.

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