Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V.




Metanavigation



Seiteninhalt


Marginalinhalt


Subnavigation


Peter   Rotthaus

Tel.: (06 51) 97 77-9 50
Fax: (06 51) 97 77-9 55
bvw@trier.ihk.de

Albrecht   Ehses

Tel.: (06 51) 97 77-2 01
Fax: (06 51) 97 77-9 65
ehses@trier.ihk.de


Hauptinhalt


Montag, 10. 10. 2011

Abschaffung des Anbaustopps

Abschaffung des Anbaustopps schafft Freiräume für eine zukunftsorientierte Rebflächenbewirtschaftung

In vielen weinbaupolitischen Gesprächsrunden ist die Pflanzrechteregelung ein wesentliches Thema. Sehr zügig – und ohne Einbindung der gewerblichen Unternehmen der Weinwirtschaft - hat sich die Politik mit ihren Fachministerien partei- und länderübergreifend bereits darauf verständigt, gegenüber der EU-Kommission die Position einzunehmen, die Vorgaben in der GMO zur Abschaffung der vorübergehenden Pflanzrechtregelung zu ändern und diese protektionistische Maßnahme über Ende 2015 bzw. 2018 hinaus EU-weit bis 2025 zu verlängern. Erstaunlich ist dabei, dass kaum jemand gewillt ist, über das Thema tatsächlich inhaltlich konstruktiv zu diskutieren und das Für und Wider derartiger Beschränkungen zu analysieren. Den anderen Ländern kommt diese Haltung der deutschen Weinbaupolitiker gerade Recht, denn auf diese Weise wird der Deutsche Wein auch in Zukunft kein ernsthafter Konkurrent auf den internationalen Märkten sein.

Aus Sicht des Verbandes der Weinkellereien ist es eine sehr einseitige und plakative Betrachtungsweise, als Folgen des Wegfalls des Anbaustopps Überproduktion, Preisverfall und Industrialisierung zu beklagen, sowie die Verlagerung des Weinbaus in einfach zu bewirtschaftende Anbauflächen in der Ebene zu prognostizieren. Das Ganze wird auch häufig in Zusammenhang mit dem Zerfall geschlossener Weinkulturlandschaften besonders in den traditionellen Steillagengebieten gesehen, wohl wissend, dass die Weiterführung des Anbaustopps die nachhaltige Bewirtschaftung der Steillagen nicht sicherstellen kann, sie in der Vergangenheit auch nicht sichergestellt hat.
Um eines klar zu stellen: Auch für die Weinkellereien ist der Erhalt und der Schutz landschaftsprägender Steillagen ein berechtigtes Anliegen und ein wesentliches Element einer vernünftigen Weinbaupolitik. Hier gilt es einkommensstützende Maßnahmen zu ergreifen und über Direkt- und Ausgleichszahlungen den Erzeugern von Weinen aus qualitativ


guten Steillagen zu helfen, sich im Wettbewerb zu bewähren. Es muss alles dafür getan werden, die Wirtschaftlichkeit dieser Rebanlagen zu erhöhen. Auch ein neues Bekenntnis zu einer Bezeichnungspyramide, mit dem Ziel der Profilierung und Stärkung der Einzel- und Steillagen und dem Herausstellen der regionalen Herkunft, bewirkt in Verbindung mit fest definierten Qualitätskriterien eine deutliche Abgrenzung von Basis- über Qualitäts- zu Spitzenweinen und damit eine zusätzliche Transparenz im Markt.

Aber ist denn tatsächlich ein uferloser Anbau von großflächigen Rebflächen zu befürchten? Werden wir überrollt von herkunftslosen Billigweinen, die durch günstigste Produktionskosten den Markt überfluten? Diese Möglichkeit bestünde heute schon, sind doch die offiziellen Anpflanzreserven auf EU-Ebene mit über 300.000 ha durchaus großzügig bemessen. Dennoch findet eine Erweiterung bestehender Rebflächen wohl überlegt und nur im überschaubaren Rahmen statt. Selbst in Drittländern werden neue Reben nicht mehr unstrukturiert, sondern nach Bedarf und nachfrageorientiert angepflanzt. Zum einen kosten die Neuanlagen sehr viel Geld und zum anderen bedarf es entsprechender Absatzkanäle für die produzierten Weintrauben und die daraus hergestellten Weine.
Davon ganz abgesehen entspricht es auch nicht den Wünschen der Weinkellereien, eine völlig liberale Lösung einzufordern.

Nach Vorstellung unseres Verbandes sollte der Wegfall des restriktiven Anbaustopps genutzt werden, bestehende Anbaugebiete innerhalb ihrer Grenzen mit ihren Lagen zu schützen und außerhalb dieser abgegrenzten Bereiche Erweiterungen zuzulassen, um Zahnlücken der Rebareale so zu erschließen, dass Weinbaubetriebe die Möglichkeit haben, ihre Fläche aufzustocken. So kann in unmittelbarer Nähe bestehender Anbaugebiete eine „Flurbereinigung“ und zugleich eine Optimierung und Zukunftsorientierung der Betriebsstrukturen erreicht werden.

Warum stellt sich die deutsche Weinwirtschaft nicht selbstbewusst dem Wettbewerb und schafft diese unangemessene Wettbewerbsverzerrung zu Lasten effizienter Erzeuger ab? Gerade die deutschen Winzer sind innovativ, qualifiziert und leistungsfähig. Ihre Betriebe sind technisch gut ausgestattet, um gepaart mit der Erfahrung der Vermarktungsunternehmen den Wettbewerbern aus Übersee oder aus anderen EU-Ländern in Süd und Ost Paroli bieten zu können. Lassen wir es doch zu, dass wir international wettbewerbsfähiger werden und verschließen wir uns nicht weiter einer effizienteren Weinproduktion!

Der Verband der Weinkellereien schlägt ein Rebflächenmanagement vor, welches einerseits flexibles und marktorientiertes Handeln ermöglicht und andererseits auch Beschränkungen definiert. Beispielsweise kann die Anpflanzung außerhalb der Anbaugebiete auf bestimmte Rebsorten festgelegt werden, die international anerkannt sind und die heute importiert werden, wie beispielsweise Merlot, Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc oder Grüner Veltliner. So bleiben die traditionellen Rebsorten in Verbindung mit ihrer Herkunft geschützt und daneben kann sich eine moderne Weinwirtschaft weiter entwickeln, Rationalisierungseffekte nutzen und zusätzliche Wertschöpfung im eigenen Land generieren.

Die Zusagen anderer weinerzeugender Mitgliedsstaaten, sich unterstützend für eine Verlängerung des Anbaustopps einzusetzen, sind kritisch zu hinterfragen. Oftmals sind hier – wie in Frankreich, Italien oder Spanien - erhebliche Pflanzreserven vorhanden, die selbst bei bestehenden einschränkenden Regelungen nationale Ausnahmen und Alleingänge zulassen. Wie vorschriftsmäßig gerade in Südeuropa die Anbauregelungen in der Vergangenheit vollzogen wurden, dürfte noch gut in Erinnerung sein. Nicht ohne Grund wird zurzeit seitens der EU-Kommission geprüft, wie die einzelnen Mitgliedstaaten ihre nationalen und regionalen Pflanzungsrechte in der Vergangenheit gehandhabt und überprüft haben.

Selbst wenn die EU, entgegen ihrer WTO-konformen Ziele einer weitgehenden Marktöffnung und Liberalisierung, über den politischen Druck von Parlament und Rat die Kehrtwende zu einem einheitlichen Anbaustopp vollziehen sollte, müsste zuvor sehr genau geprüft werden, wie dieser in einzelnen Mitgliedstaaten interpretiert und umgesetzt wird. Unser Eindruck: Deutschland wendet den Anbaustopp restriktiv an und andere Mitgliedstaaten nutzen ihre üppig vorhandenen Reserven von Pflanzungsrechten bedarfsgerecht. Die deutschen Winzer wären in jedem Fall die Verlierer.

Das gilt umso mehr für eine Kompromisslösung, die die Mitgliedstaaten in die Rolle versetzt, die Ausgestaltung der Anbauregeln selbst zu gestalten. In diesem Fall hat Deutschland keine Wahl und muss sich für die Aufhebung der Regelung entscheiden. Ansonsten sehen sich Winzer wie Vermarkter einer europäischen und außereuropäischen Konkurrenz verstärkt ausgeliefert und in ihren eigenen Chancen auf zusätzliche Marktanteile beschnitten. Zudem bleibt dann die Frage zu klären, ob sich die seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführte Anbaubeschränkung auch weiterhin problemlos als verfassungskonform darstellen lässt, beinhaltet sie doch einen erheblichen Eingriff in das Eigentum und den ausgeübten Wirtschaftsbetrieb eines jeden Winzers.

Fazit: Es lohnt sich, eine vernünftige Diskussion anzustoßen und sich den Argumenten der EU-Kommission zur Aufhebung der Pflanzungsrechtregelung nicht von vornherein zu verschließen, bevor sich der deutsche Weinbau Restriktionen auferlegt, die bei uns eine zukunftsorientierte Entwicklung blockieren und den Erzeugern in anderen Weinerzeugerländern auch künftig eine flexible Anwendung der Vorschriften ermöglicht.