Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V.




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Donnerstag, 27. 11. 2014

Den Kunden und Markt im Blick

"Branchentreff der Weinwirtschaft" schlägt Bogen vom Markt bis hin zu möglichen Zukunftstrends
Einen weiten Bogen schlug der diesjährige, vom Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V. und der IHK Trier organisierte „Branchentreff der Weinwirtschaft“:

Von Maßnahmen im Weinberg zur Sicherstellung international wettbewerbsfähiger Qualitäten über Produktionsbedingungen (Stichwort Rebpflanzrechte) und weiterer rechtlicher Rahmenbedingungen bis hin zu einem neuen und differenzierteren analytischen Ansatz zur Segmentierung deutscher Weinkonsumenten. Gewagt wurde schließlich auch ein Blick auf erwartete Trends, mit denen sich Weinanbieter in den nächsten Jahren möglicherweise auseinander setzen müssen, wollen sie am Markt bestehen.

Einer der Grundsteine erfolgreicher Weinvermarktung, nämlich eine wettbewerbsfähige und nachfrageorientierte Weinqualität, wird im Weinberg gelegt. Dass sich hier in Deutschland sehr viel getan hat, gerade auch im Basissegment, zeigte Stefan Schmidt vom Weinbau Qualitätsmanagement e.V. (WQM) auf. Strukturelle Defizite im Fassweinmarkt gehörten ebenso wie früher teils anzutreffende mindere Qualitäten der Vergangenheit an, die auf marktgerechte Trauben- und Fassweinqualität ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Winzern und Kellereien habe sich erfolgreich entwickelt.

Um national wie international nicht ins Hintertreffen zu geraten, müssen vor allem und gerade im Basissegment entsprechende Vermarktungsmengen verfügbar sein. Die diesjährige Erntemenge in Deutschland mit etwa 9,3 Millionen Hektolitern könne den Grundstock legen, nach kleineren Ernten vergangener Jahre jetzt wieder Angebot und Nachfrage in Einklang bringen zu können, so Dr. Dirk Richter, Vorsitzender des Weinausschusses der Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz und Hessen. Ebenso erneuerte er die Forderung des Weingewerbes, die ab 2016 geltende Pflanzregelung, die eine jährliche Rebflächenerweiterung von einem Prozent vorsieht, in Deutschland in vollem Umfang zu nutzen statt, wie von Weinbauverbänden gewünscht, auf 0,1 oder 0,5 Prozent einzuschränken.


Deutschland ist kein „Billig-Weinland“, jeder vierte deutsche Weintrinker ist Multichannel-Konsument, hat also nicht eine bevorzugte Einkaufsquelle, sondern deckt seinen Bedarf beim Winzer und Fachhändler ebenso wie beim Discounter, im Supermarkt oder im Internet, und ganze vierzig Prozent der Deutschen (ab 16 Jahren) trinken keinen Wein. Diese und weitere aufschlussreiche Erkenntnisse stellte Dr. Gergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim University in seinem Vortrag „Neue Weinkunden-Segmentierung in Deutschland und daraus resultierende Ergebnisse“ vor.

Auf Basis einer 2012 durchgeführten repräsentativen Befragung erarbeiteten er und der inzwischen emeritierte Professor Dr. Dieter Hoffmann mehrere Segmentierungsmodelle, mit denen sie unterschiedliche Kundengruppen detaillierter beschreiben und einzelbetrieblichem Weinmarketing eine geeignete Zielgruppenidentifizierung an die Hand geben wollen.


Und wie könnte die Weinwelt in zwanzig Jahren aussehen? Den Blick auf -mögliche- künftige Anforderungen des internationalen Weinmarktes wagte Wilhelm Lerner, Associate Director und Country Manager Deutschland des britischen Marktforschers Wine Intelligence und Partner bei Arthur D. Little.

Anhand einer bei 115 Weinfachleuten weltweit durchgeführten Befragung ermittelte Wine Intelligence fünf Hauptbereiche, in denen bis 2034 große Entwicklungen erwartet werden. Die wichtigsten aus deutscher Sicht: Die Weinwirtschaft werde sich stärker als bisher auf die Bedürfnisse der Verbraucher einstellen müssen, die sich zunehmend emanzipieren und Erlebnisse statt (Wein-) Belehrungen suchten, und auch die Verpackung werde zunehmend als Unterscheidungsmerkmal an Bedeutung gewinnen. Der Vertrieb polarisiere sich weiter auf Grund steigender Dominanz der Supermärkte und erwarteten Wachstums des Onlinehandels und stelle Nischenanbieter vor entsprechende neue Herausforderungen.

Das Zentrum des globalen Weinkonsums werde sich nach China verlagern und damit in einen Kulturkreis, der ganz anders an das für ihn junge Thema Wein herangeht. Eine Einschätzung, die der rheinland-pfälzische Staatssekretär Dr. Thomas Griese teilte, der von seinen frischen, auf der ProWine China gesammelten Eindrücken berichtete und die wachsende Bedeutung Asiens als Abnehmer deutscher Weine herausstellte.


Johannes Hübinger, Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels e.V., betonte in seinem Schlusswort das wettbewerbsgerechte Qualitätsniveau deutscher Weine, das gerade auch bei Trauben- und Fassweinvermarktern zu höherer Wertschöpfung geführt habe, mahnte gleichzeitig aber an: „Wir haben uns in den letzten Jahren zu wenig auf Trends eingestellt, das machen Amerikaner und Australier besser, hieran müssen wir arbeiten.“ An das Deutsche Weininstitut richtete er gleichzeitig den Appell, künftige Marketingmaßnahmen stärker auch auf das für die deutsche Weinwirtschaft unverzichtbare und wichtige Basissegment zu legen.